Paralleluniversen

Die Bäckereiverkäuferin war gestresst. Sie hatte schlecht geschlafen, war fast zu spät gekommen, und nun war auch noch die Kollegin krank. Die Schlange vor dem Tresen wurde immer länger, und vor ihr stand ein alter Mann, der anzüglich grinste und scheinbar alle Zeit der Welt hatte. »Ihnen einen schönen Tag!« Du mich auch. Sie blickte genervt auf die Uhr. Noch sechs Stunden bis Feierabend. »Wer kommt als nächstes dran?«

Der alte Mann hatte sich noch nie Liedernamen merken können, aber die Melodie im Radio hatte er sofort wiedererkannt. Es war das Lieblingslied seiner mittlerweile verstorbenen Frau. Im Geiste sah er sie wieder vor sich, wie sie zu diesen Klängen durch die Räume tanzte, sich bei ihm einhakte und mit ihm durchs Wohnzimmer wirbelte, bis das Lied vorbei war. Das Lied und ein Lächeln nahm er mit nach draußen, und selbst die unfreundliche junge Frau in der Bäckerei konnte ihm die Laune nicht verderben.

5 Kommentare zu „Paralleluniversen

      1. Ich selbst hatte einmal von einer Wirtsfrau ein Lokalverbot erhalten, weil ihr Mann, der Wirt nicht anwesend war und sie dachte, ich grinse sie anzüglich an. Ich war nur hin und wieder Gast in dieser Gastwirtschaft und ich musste an diesem Tag grinsen, weil sie Tage davor einen Witz erzählt hat, der so lustig war, dass er mir nicht aus dem Kopf ging und ich immer daran denken musste, wenn ich sie ansah.

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